Der Polterabend gehörte in Deutschland lange Zeit traditionell zu einer Hochzeit dazu. Auf dem Land ist der Polterabend zum Teil noch heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Feierlichkeiten. An diesem Abend – meist einen Tag vor der eigentlichen Hochzeit – versammeln sich bekannte, Freunde und Verwandte des Brautpaares, um mitgebrachtes Porzellan an eine Hauswand zu werfen. Das Poltern soll dem Brauch nach böse Geister vertreiben und die Scherben sollen Glück bringen. Ursprünglich fand der Polterabend meist am Elternhaus der Braut statt. Heutzutage werden für den Polterabend aber auch spezielle Räumlichkeiten wie zum Beispiel Vereinsheime, Gärten oder öffentliche Grillplätze angemietet. Doch egal wo gepoltert wird, eines steht fest: am Ende muss das Brautpaar die Scherben zusammenkehren, die ihnen auf dem Weg in das Eheleben Glück bringen sollen.

Scherbenhaufen vor Just Married Schriftzug

Scherben bringen Glück – ein triftiger Grund für einen ordentlichen Polterabend (Foto: oldline2 – Fotolia)

Junggesellenabschied statt Polterabend?

Der Polterabend ist im Laufe der Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Stattdessen finden immer häufiger Junggesellen- oder Junggesellinnenabschiede statt – ein relativ neuer Trend, der aus den USA und England nun auch in Deutschland Anwendung findet. Dieser ersetzt allerdings keineswegs den Polterabend, welcher einen ganz anderen symbolischen Zweck erfüllen soll; nämlich gemeinsam in eine glückbringende Zukunft ohne „böse Geister“ zu starten. Bei einem Junggesellenabschied geht es hingegen primär darum, ein letztes Mal ohne den Partner zu feiern und spezielle „Aufgaben“ zu erfüllen. Häufig sieht dieser Abend auch vor, dass die Braut oder der Bräutigam durch Spiele, Aufgaben und Mutproben sich etwas Geld dazuverdient, um mit einem gefüllteren Portemonnaie in die Ehe zu gehen. Die Aufgaben beinhalten zumeist das Ansprechen anderer Frauen oder Männer auf der Straße, in einem Club oder andernorts, um hier und da ein Küsschen zu kriegen, Schnaps zu verkaufen oder Unterschriften auf einem T-Shirt zu sammeln. Relativ schnell wird deutlich, dass ein JGA, wie der Junggesellenabschied inzwischen gerne abgekürzt wird, das Ziel verfolgt, den werdenden Eheleuten vorab das Leben noch einmal schwer zu machen. Ob ein Junggesellenabschied gefeiert wird, kann man allerdings nicht immer selbst entscheiden. Oftmals sind es die Trauzeugen oder besten Freunde, die diesen organisieren.

Vorteile eines Polterabends: Krach fürs Glück

Anders verhält es sich in puncto Planung mit dem Polterabend. Dieser kann eigenmächtig gestaltet und ausgerichtet werden. Ort, Uhrzeit und Dauer des Polterabends kann in der Regel auch selbst bestimmt werden, wenngleich es Usus ist, den Polterabend am Vorabend der Vermählung stattfinden zu lassen. Gleichzeitig hat es für viele etwas Befreiendes, altes, ungeliebtes oder schlichtweg überflüssiges Porzellan zerschmettern zu dürfen. Viel Lärm um nichts? Denkste! Alle Beteiligten haben auf einem Polterabend das Gefühl, etwas Positives zur künftiges Ehe des Paares beisteuern zu dürfen. Es hat also etwas Reinigendes, ähnlich einer Katharsis. Weiterer Pluspunkt: Das Brautpaar kann sich dem Polterabend frühzeitig entziehen, um fit für den großen Tag zu sein. Das leise, unbemerkte Entziehen dürfte am eigenen Junggesellenabschied deutlich schwerer werden…

Wann wird gefeiert?

Wie eingangs erwähnt, findet ein Polterabend meist direkt am Tag vor der Hochzeit statt, das heißt am Donnerstag- oder Freitagabend vor dem großen Termin. Verständlicherweise ist dies vielen Paaren kurz vor so einem großen Ereignis viel zu stressig. Daher ist es absolut legitim, den Polterabend auf zwei bis vier Wochen vor den Hochzeitstermin zu legen. Da zumeist auf eine förmliche Einladung verzichtet wird, fällt es dem Paar oft schwer einzuschätzen, wie viele Personen zum Polterabend erscheinen. Um sich das Leben nicht zu schwer zu machen, kann man aber auch um eine kurze Rückmeldung per Mail bitten. So haben Sie eine ungefähre Gästezahl vor Augen und können in puncto Räumlichkeiten und Büffet besser planen.

Die Polterabend-Einladung

Ganz im Gegenteil zur eher förmlichen Hochzeitseinladung per Karte, kann die Einladung zum Polterabend ungezwungen per E-Mail oder Mund-zu-Mund-Propaganda erfolgen. Es werden Ort und Zeit bekannt gegeben und kommen kann jeder, der mit dem Brautpaar in Verbindung steht. Ob alte Schulfreunde, Arbeitskollegen oder geladene Hochzeitsgäste – zum Polterabend ist jeder eingeladen, der dem Brautpaar Glück wünschen möchte und Porzellan mitbringt.

Kulinarisches auf dem Polterabend

Traditionsgemäß gibt es auf einem Polterabend deftiges Essen, wie zum Beispiel Kartoffelsalat und Würstchen, andere Fleischsorten und Salatbeilagen. Grundsätzlich sollte den Gästen eine gute Grundlage für ausgiebigen Alkoholkonsum geboten werden, also darf es auch gerne etwas Fetthaltiges mit Käse sein. Da es an diesem Abend nicht vorrangig um ein ausgeklügeltes Büffet geht, können auch Pizzen von der Pizzeria geliefert werden. Aber auch anderes Fast Food wie zum Beispiel Burger und Pommes bieten sich an.

Was wird gepoltert?

Wer zum ersten Mal auf einem Polterabend eingeladen ist, fragt sich vermutlich, was zum Poltern mitgebracht werden darf. Grundsätzlich gilt, dass alles, was aus Porzellan ist, zerschmettert werden kann. Außerdem dürfen Gestein, Teller, Schüsseln, Blumentöpfe, Klobrillen oder gar ganze Badewannen zerschlagen werden. Tabu ist hingegen alles, was aus Glas ist. Glas steht für das Glück und soll aus diesem Grund nicht kaputt gehen. Ein absolutes „No-Go“ sind Spiegel. Wenn ein solcher zerbricht, soll dies nach dem Volksmund sieben Jahre Pech bringen.

Wo lässt sich am besten der Polterabend feiern?

Für einen Polterabend gibt es ganz individuelle Möglichkeiten zu feiern: Entweder ganz familiär zu Hause, bei den Eltern im Garten oder auf der Datsche im Umland. Wer einen eigenen Partykeller besitzt, kann diesen natürlich ideal für diese Gelegenheit nutzen. Aber auch das eigene Wohnzimmer oder der Hof kann zum Feiern des Polterabends genutzt werden. Werdende Eheleute, die einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis haben, können auf Vereinslokale, Clubhäuser oder den Saal eines Sportvereins zurückgreifen. Wichtig ist in jedem Fall, dass es ausreichend Raum und Möglichkeiten zum Tanzen, Sitzen und Feiern gibt. Darüber hinaus muss es selbstverständlich eine geeignete Hauswand zum Zerschmettern des mitgebrachten Porzellans geben. Nicht zu vergessen: die Besen, die dem Brautpaar zum Zusammenkehren des zerschmetterten Porzellans bereit stehen müssen. Am Polterabend wird nämlich auch zusammen geübt, vor der eigenen Tür zu kehren!   Besen, Schaufel, Kehrblech und Abfallbehälter beziehungsweise ein Container sollten daher in unmittelbarer Nähe sein…

Kosten für einen Polterabend

Die Kosten für einen Polterabend sind in der Regel überschaubar. Für die Verpflegung am Abend sollte gesorgt sein, es reicht allerdings ein einfaches Büffet, belegte Brötchen oder ähnliches. Grob gerechnet liegen die Kosten pro Person zwischen 10 und 30 Euro. Sorgt man selbst für das Büffet oder lässt die Gäste etwas mitbringen, wird es insgesamt natürlich günstiger. Hinzu kommen gegebenenfalls die Kosten für den gemieteten Raum. Feiert man in einem Vereinsheim, sind die Umlagen ebenfalls überschaubar. Hinzu kommt in manchen Fällen ein DJ, der bezahlt werden muss – oftmals tut es aber auch die eigene Playlist über die Musikanlage!

Poltern – ja oder nein?

Bleibt zu guter Letzt die Frage, ob zukünftige Ehepaare einen Polterabend ausrichten sollten oder nicht. Unbeirrt ist ein weiterer Abend zu planen, der zwar Spaß bereitet, aber auch etwas anstrengend sein kann. Wenngleich es auf einem Polterabend rustikal zugeht und es nicht um die Ausgestaltung eines perfekten Abends mit Essen, Tanz und Co. geht, so beansprucht auch ein Polterabend etwas Zeit, um das Event zu planen.

Wer es traditionell mag, der sollte auf diesen Abend auf keinen Fall verzichten. Zum einen heiratet man (in der Regel) nur einmal im Leben – zum anderen hat die Ehe per se schon etwas Traditionelles, warum also nicht auch an dieser guten Tradition festhalten? Schaden kann es dem zukünftigen Glück sicherlich nicht!